Es weihnachtet, Teil 4 – Kolumne in der Bümpliz Woche

Was schenken wir Jesus?

Weihnachten ist das christliche Fest, an dem wir an die Geburt von Jesus Christus denken. Gottes Sohn wurde Mensch, einer von uns. Mitten unter uns. Im Grunde genommen feiern wir aber in Westeuropa und der Schweiz falsch. Wir feiern uns selber und schenken einander teure Geschenke. Wir tun nur so, als ob wir Weihnachten feierten. Überspitzt gesagt: Wir feiern mehr uns selber als den Geburtstag von Jesus.

Wie komme ich darauf? Ganz einfach: Wenn jemand Geburtstag hat, beschenken wir ihn. Wir feiern eine Party und bringen dem Geburtstagskind etwas. Und wie ist es an Weihnachten? Welches Geschenk machen wir Jesus, wenn er schon Geburtstag hat?

Darüber zerbrechen wir uns kaum mehr den Kopf. Aber zugegeben: Es ist auch schwierig Jesus zu beschenken. Wie geht dies?

Leo Tolstoi schreibt in seiner Erzählung „Vater Martin“ über einen einfachen Schuhmacher in Russland, der mit seinem Leben unzufrieden war. Schwere Schicksalsschläge drückten auf seine Seele. Er verlor früh seine Frau und seinen Sohn. Er war mit Gott nicht zufrieden und mürrisch. Trotzdem begann er auf Rat eines alten Mannes die Bibel zu lesen. Dies veränderte sein Leben. Wie? Vater Martin begann sein schweres Schicksal anzunehmen und lernte: Wer mit Gott lebt, wird froh.

Dann überlegte der Schuhmacher Martin, was er Jesus schenken könnte, wenn dieser ihn besuchte. Ein paar gute Schuhe aus seiner Werkstätte? „Wie einfach wäre es,“ – so überlegte er – „wenn Jesus persönlich anwesend wäre! Dann wäre es einfacher Jesus ein Geschenk zu machen.“

Im Traum erfuhr Vater Martin, dass Jesus ihn am nächsten Tag besuchen würde. Aber zur grossen Enttäuschung von Martin begegnete er am nächsten Tag „nur“ ganz normalen Menschen. Zum Beispiel dem alten schneeschaufelnden Soldaten Stepanytsch. Diesem gab er warmen Tee. Später kommt eine Frau mit einem kleinen Kind. Auch hier gibt er etwas Warmes zu essen.

Aber Jesus besuchte ihn an diesem Tag nicht. Vater Martin ist enttäuscht. Beim Lesen in der Bibel wird ihm plötzlich bewusst: Jesus kommt nicht direkt als Mensch zu uns. Sondern er kommt oft in Gestalt von Mitmenschen. Mitmenschen, die leiden und Schweres durchmachen. Das, was wir diesen notleidenden Menschen tun, das tun wir Jesus selbst.

So sagt Jesus von sich selbst: „Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeist. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich getränkt. Ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich beherbergt.“ (Matthäus 25,35) und die Leute fragten sich: „Wann haben wir dies gemacht? Wann war dies?“ Und Jesus antwortete: „Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan!“ (Matthäus 25,40b).

Diese Erkenntnis machte Vater Martin froh. Jesus war also doch zu ihm gekommen! Und das Revolutionäre auch heute noch ist: Jesus kommt zu uns. Und wahrlich Weihnachten wird es, wenn ich mein Herz von Gott bewegen lasse, der Nächste darin Platz findet, und ich diesen ermutige, gastfreundlich aufnehme und gut behandle. Das ist das beste Geschenk an Jesus.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen frohe Weihnachten voller spannender Begegnungen!

Gallus Tannheimer